Un plan à trois

Cher journal !

Wer Muscheln grillt, darf sich danach nicht beschweren. Wer Meeresfrüchte in einem Erdloch unter einer Schicht von Algen gart und sie zum Dampfen bringt, der hat die reife Ernte seines Tuns ohne viel Tamtam einzuholen.
Ohne Umschweife, mon cher journal, war das herrlich angerichtete Festmahl am Ende und in der Reflexion ein Griff in eine vollgeschissene Komposttoilette, ein Biss in einen sauren und zutiefst verwurmten Apfel. Non ! C'est impossible ! Meinst du? Und doch irrst du dich gewaltig. Es ist möglich. Es war. Leider. Oder wie wäre ich sonst dazu imstande, dir davon zu beichten? Nun ja, ich gebe offen zu, Teile der Instrumente waren recht spektakulär. Aus einem Guss? Keinesfalls. Sonderlich gebohnert? Fehlanzeige. Formvollendet gestutzt? Eher buschig, nahezu wahllos verzweigt – sprich: ein krauses Wirrwarr der Scham. Die Triebe schienen kaum noch jung zu sein. Alledem ungeachtet waren sie in einem Stadium verfangen, von dem ich behaupten würde, dass Männer in meinem Alter angehalten sind – in gewissen Umständen der geistigen Umnachtung versteht sich –, ihrem kopflosen Handeln blind zu folgen – was eine ernsthafte Überlegung im Vorfeld außen vorlässt –, um letztendlich unbedacht zuzugreifen. Gelegenheiten muss man beim Schopf packen. Kann es schlimmer kommen, cher journal ? Oh, oui ! Mittvierziger wollen es unbedingt wagen. In der absurden Vorstellung befangen, dass die Realität ein beträchtlich lustvolleres Spiel vorsieht, als es die feuchtesten Träume – in ihrer Funktion getarnt als Fiktion –, jemals hergeben könnten. Eine Futte und eine Fischritze + nirgendswo Suppentüten in Sichtweite. C'est super ! Das hat zu genügen. Wer zuerst hupt, unternimmt zaghafte Schritte für eine freie Fahrt unter einem bombastischen Vorbau, der Weltanschauungen verändert. Wohlgeformte Melonen strahlen dich bis unter die Furchen deiner Tränen an, den Rändern und dunklen Schatten deiner ach so verbrauchten Augen zum Trotz. Ringe an Fingern kann jeder tragen, die wahren Kunstliebhaber hingegen finden verwegenere Orte, um sie pracht- und stilvoll in intimen Momenten zur Schau zu stellen. Nahezu überbordet werden sie von anatomischen Einzelstücken unterer Extremitäten, die ungeachtet der ausladenden Fülle ihresgleichen suchen und die obendrein mit der Fähigkeit ausgestattet sind, sich liebreizend und auf wundersame Weise spreizend zu öffnen. Zwischen ihnen ergießt sich der Schleim der Vorfreude, der dich explizit dazu einlädt, in dessen Entstehungsräume hart einzudringen. Mit zwei oder drei Fingern wird eine von ihnen bedient, mit der Zunge die andere vernascht, denn: Überreife Pflaumen gilt es zu genießen, während man sich abmüht, verwucherte Vorhöfe freizulegen. Das parallele Spiel ist ausnahmslos den fortgeschrittenen Profis zugeschrieben, eben solche, die mit dem besonderen Rüstzeug gesegnet wurden. Lange und vor allem stabile Fingernägel sind willkommene Zubrote, eine passend proportionierte Zunge kann ebenfalls der Sache zugänglich sein. Derart handwerklich zugebracht genügt ein gewisses Maß an technischen Fertigkeiten, um Wallungen zu Höhepunkten zu stimulieren. Die ehrenwerte Absicht, ein simultanes Feuerwerk der Lüste zu entfachen, sei vorausgesetzt. Erfolgt es auch nur geringfügig sukzedan, wird man es nie zum Synchronschwimmer schaffen. Nach Gold lechzen und Bronze einfahren – wer will das schon, cher journal ? Alleinig dem Besseren wird zur Krönung seiner Leistungen feierlich ein Lorbeerkranz übergestülpt. Und du bist dein einziger Gegner im bizarren Dreiergeflecht des Verlangens der zweigeteilten Leidenschaft und der Manie hin zum Sinnesrausch der Verdorbenen. Taumele auf dem Irrpfad der Tugend und beherrsche dich. Bleibe unbeugsam standhaft bis zum süßen Ende. Die beiden halbwegs Anschaulichen müssen mindestens zwei volle Male die Freude verspüren, die du ihnen gefälligst zu bereiten hast. Und sollte es ihnen nach einem dritten Hoch gieren, dürfen sie sich im Nachgang nochmals eigenständig verwöhnen, ob gegenseitig oder eine Jede für sich. Egal was sie tun – ob liegend nebeneinander oder wie eine Schere ineinander verhakt –, um die letzten Tropfen der Appetenz auszuwringen, bitte beachte dabei stets: Halte dich raus! Beschränke dich auf das blanke Beisein entsprechend der stillen Übereinkunft, dass du lediglich hospitierst und keine Interaktionen in Erwägung ziehst. Du bist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon Luft und wirst aus reiner Höflichkeit noch geduldet. Hältst du es nicht aus, so mach dich von dannen, klamm und heimlich, allemal ohne mehr als ein Abschiedswort zu verlieren. Das reicht. Denn die irdische und sündbehaftete Auslebung der Konkupiszenz ist für dich vorüber. Du bist jetzt ein Stück Gebrauchtware, ähnlich einem Mängelexemplar. Du teilst zwar den gleichen Raum mit neuwertigen Gütern, doch nehmen will dich kaum einer. Das Dessert ist ergo gestrichen. Lass sie spielen. Verweile nicht. Sei rigoros und schleiche dich davon, so als ob du niemals vor Ort gewesen wärst. Du hast deine Aufgabe mit Bravour erfüllt; trage sie mit Stolz hinfort. Die Qualen, in der Gestalt von Gewissensbissen oder nächtlichen Unruhen beispielsweise, werden ohnehin später ungeniert kommen und sich über dich ergehen. Dafür führst du schließlich ein flottes Tagebuch, dass gewillt ist, dich von aller Pein dauerhaft zu befreien. Und gepaart mit der Freiheit kommt immer die Alleinsamkeit. Mein Schmerz soll mit dir und in dir sein, cher journal. Bewahre ihn für mich auf, bloß für den Fall, dass ich abermals schwach werde, in bewegten Momenten der Umnebelung, in denen ich mich nach einem Hauch von zartem und weichem Fleisch aus den Tiefen von unsteten Meeresbecken sehne.
Was hat so heiß gegessen zu werden, wie es gegart wurde? Ein eventuell gelungener Merksatz in Frageform; für ein unglamouröses Fazit durchaus geeignet. Die Nachvollziehbarkeit kommt gelegentlich matt und farblos daher. Leidenschaft tut leid.

Avec amour,
ton Ryan.

Post-scriptum: Hin und wieder wäre mir das Eintauchen in einen Traum lieber, als das Abtauchen in die harte Wirklichkeit.